Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr

Am 14. Juni 1900 fand im Krug zu Röbsdorf eine Zusammenkunft mehrerer Männer des Gutes Hagen statt zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.

Erster Wehrführer war Hauptmann Wilhelm Göttsch, Hofpächter des Gutes Hagen [sh. Gründungsurkunde].

Schon zuvor gab es auf dem Gut eine Löschmannschaft und eine Spritze [Rechnung für eine Feuerspritze, ähnlich wie Abb.].

Die „Feuertaufe“ der jungen Wehr fand am 22. Juni 1900 statt, als die große Kornscheune auf dem Meierhof Wulfsdorf brannte. Die „adlige Brandgilde“ prämierte den erfolgreichen Einsatz mit 36 Mark aus der Gildenkasse.

In der Sitzung am 23. September 1900 wurden erste Beschlüsse zur Ausstattung der Wehr gefasst: Helle Drillich-Blousen und schwarze Achselstücke sowie insg. sechs Nebelhörner gehörten zur Bestandsliste.

Bereits in der ersten Versammlung 1901 zählten 46 aktive Mitglieder zur Freiwilligen Feuerwehr des Gutes Hagen, bei ca. 500 Einwohnern des Gutes eine hohe Zahl.

Zum Abschluss der Übung am 5. Juli 1903 ließ sich die Feuerwehr vor dem Schloss fotografieren [Foto].

Ab Oktober 1901 und in den nächsten Jahren fanden Bälle der Feuerwehr statt, an denen auch die neu gegründeten Wehren den Nachbargemeinden teilnahmen. Diese Tradition hat sich mit wenigen Ausnahmen bis heute erhalten.

In der Corpsversammlung am 25. Juni 1906 wurde die erste Satzung der Feuerwehr beschlossen, die zuvor durch den königlichen Landrat genehmigt werden musste. Hier einige Auszüge:

§ 1: „Die Freiwillige Feuerwehr ist eine Vereinigung gesunder und kräftiger Männer, welche die Ehrenpflicht übernehmen, sich durch regelmäßige Übungen bei militärischer Disziplin die Gewandtheit, den Mut und die Ruhe anzueignen, welche nötig sind, um bei Feuersgefahr möglichst rasch und in zweckmäßiger Weise Hilfe leisten zu können.“ (…)

§ 14: „Die Zahl der Übungen der ganzen Wehr darf nicht weniger als 8 im Jahr betragen. Die Mitglieder sind zu den Übungen durch Ansage oder durch ein bestimmtes Signal zu beordern. Dem Amtsvorsteher ist die Zeit jeder Übung mindestens 24 Stunden vorher anzuzeigen, auch ist der Gutsvorsteher in Kenntnis zu setzen! (…)“

Da es weder Auto noch Telefon gab, war sowohl der Gang zum Amt als auch die Alarmierung der Kameraden sehr aufwändig!

Schon damals waren Spritze und Ausrüstung Eigentum der Gutsverwaltung Hagen, heute der Kommune Probsteierhagen, und wurden gem. § 18 der Satzung der Wehr „zum Dienstgebrauche überlassen“.

Im Jahre 1908 trat die Wehr in den Kreisverband der Freiwilligen Feuerwehren ein.

Zum 1. Januar 1913 erfolgte auf Antrag des Gutsinspektors Olde die Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehr Hagen in die Schleswig-Holsteinische Feuerwehr-Unfallkasse, damit die im Dienst verunfallten Kameraden versichert waren.

Der wohl erste und hoffentlich auch einzige tödliche Unfall traf den Kameraden Heinrich Steffen (Muxall), der am 19.4.1916 bei Verrichtung seines Einsatzdienstes vom Dach stürzte und infolge der schweren Verletzungen zwei Tage später verstarb.

Am 24. Mai 1914 fand vorläufig die letzte Vorstandswahl statt, denn am 1. August 1914 begann der 1. Weltkrieg und die Wehr musste aufgrund der an die Front befohlenen Kameraden mit verringerter Mannschaft ihren Dienst verrichten. Aus dieser Zeit liegen nur knappe Tätigkeitsberichte vor, Hauptversammlungen fanden nicht mehr statt.

In der ersten Versammlung nach Kriegsende am 11. April 1919 gedachte Wehrführer Hauptmann Göttsch der gefallenen und gefangengesetzten Kameraden, begrüsste aber namentlich auch drei neue Kameraden:

Wilhelm Wolff (später langjähriger Gerätewart der Wehr), Heinrich Kohlschen (Hauptmann 1925-1937) und Richard Steffen (Wehrführer 1944-1946).

Am 5. Oktober 1920 legte Wilhelm Göttsch nach 20 Jahren Tätigkeit als Hauptmann sein Amt nieder und wurde erstes Ehrenmitglied der Wehr.

In der Versammlung am 10. Februar 1921 wurden die Kameraden Schmidt, Meier und Kohlschen zur Teilnahme am Sanitätskurs in Plön entsandt, vermutlich der Beginn der überörtlichen Ausbildungskurse der Feuerwehren auf Kreisebene; der erste Nachweis über Führerkurse auf Kreisebene findet sich im Bericht des H. Kohlschen vom 9. März 1924.

Die Ehrenabzeichen für eine Dienstzeit von 5, 10, 15 und 20 Jahren wurden eingeführt und angeschafft.

Zum Jahresende 1921 betrug die Zahl der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr 41 Kameraden, die Strafgelder für Fehlen bei Brandwachen und Übungen erbrachten immerhin 108 Mark.

1923 wurde der Beschluss gefasst, dass Kameraden, die dreimal nacheinander unentschuldigt dem Dienst fernblieben, aus der Wehr ausscheiden müssen.

Ab 1923 setzte auch die Währungsinflation des Papiergeldes ein:

Am 15. Mai sind die Mitgliedsbeiträge noch wie bisher mit 1,-- Mark/Mon. verbucht, am 16. Mai wurde der Beitrag der Aktiven auf 150,-- Mark/Mon. und der passiven Mitglieder auf 1000,-- Mark/Jahr erhöht. Für ein Rechnungsheft bezahlte der Kassenwart F. Gäde am 29. Juni 1923 dann schon 2000,-- Mark!

Zum Abschluß des Kassenjahres 1923/24 weist Gäde einen Bestand von 18.864,88 Mark aus und vermerkt: „Da das Papiergeld vollständig entwertet ist und 4 Kupferpfennige in der Kasse vorhanden sind, schließt die Rechnung ab mit einem wertbeständigen Betrag von 1,04 Goldmark [Neue „Rentenmark“/Goldmark der Reichsregierung, ab 15.11.1923 zur Währungsstabilisierung eingeführt, durch Gold und Grundlasten gedeckt]

Im Jahre 1925 gehören dem Kreisverband bereits 33 Feuerwehren mit insgesamt 1.400 aktiven Mitgliedern an.

Am 13. Juni 1925 feierte die Hagener Wehr ihr 25jähriges Stiftungsfest, die Nachbarwehren Heikendorf, Prasdorf und Tökendorf wurden eingeladen. Das Gut Hagen sagte zu, künftig jährlich 20,-- Mark zum Stiftungsfest zu spenden.

Es wurde beschlossen, daß jeder Gast des öffentlichen Feuerwehrballs zur Kaffeetafel selbst Kuchen beizusteuern habe; ein Brauch, der sich noch bis 1965 hielt.

1926 sprach der Landrat auf dem Kreisverbandstag der Feuerwehren von den neuen Automobil-Spritzen und über die Wartung von Schläuchen und Gerät.

Auf der Hauptversammlung 1929 beantragte der Gerätewart erstmals eine Aufwandsvergütung von 25,-- Mark jährlich, diese solle durch den Schriftwart beim Gemeindevorsteher beantragt werden. Hier taucht erstmals die Gemeinde Hagen als Kostenträger der Feuerwehr auf.

Im Jahre 1930 fand vom 27. April bis zum 4. Mai erstmals eine „Feuerschutzwoche“ in der Gemeinde statt. Mit Fördermitteln i.H. 20,-- Mark von der Gemeinde sollen Druckschriften über Brandverhütung an alle Haushalte verteilt und ein Vortragsabend für die Einwohner durchgeführt werden.

Am 13. Februar 1932 kaufte die Gemeinde für 3.150,-- Reichsmark (RM) eine neue motorbetriebene Feuerspritze „TS 4“ [Pumpleistung 400 Liter/Min.] und übergab sie am 2. März offiziell der Wehr, die sie umgehend bei einem Feuer in Tökendorf am 18. März zum Einsatz brachte. Die TS 4 war noch bis 1962 im Dienst und ist heute ein voll betriebstüchtiges Museumsstück - liebevoll „Oma“ genannt - im Besitz der Freiw. Feuerwehr.

 

Das ausführliche Protokollbuch des Lehrers und Schriftwarts F. Gäde bricht nach 33 Jahren lückenloser Berichterstattung über die Entwicklung der Wehr mit der Versammlung am 10. Juni 1933 unvermittelt ab.

Mit Beginn der Machtergreifung der NSDAP in der Republik ab dem 30. Januar 1933 wurde auch das Feuerwehrwesen in der Probstei raschen Strukturveränderungen unterworfen: Aus der Niederschrift der „1. Führertagung des Feuerwehr-Amtsbezirks Prasdorf“ am 5. September 1934 erfahren wir, dass aus der Freiw. Feuerwehr Hagen plötzlich ein „Löschzug Probsteierhagen der Amtswehr Feuerwehr Prasdorf“ geworden war. Die Wehren der Gemeinden Probsteierhagen, Passade und Fahren wurden zu Lösch-Zügen unter der Wehrführung der Gemeinde Prasdorf.

Auf jener 1. Führertagung war auch der Stützpunktsamtsleiter der „NS-Volkswohlfahrt“ (NSV) in seiner Eigenschaft als „Sachbearbeiter für die Brandschutzwoche“ anwesend und verkündete dort verbindlich die „Richtlinien der Gauleitung der NSV zur Durchführung der Brandschutzwoche“. Bereits 1½ Jahre nach der „Machtergreifung“ bestimmte der politische Gauleiter nahezu vollständig über Struktur und Tätigkeit der Feuerwehren.

Die Niederschriften der nächsten Jahre sind leider nur kurz und spärlich; die Mitgliederversammlungen fanden einmal jährlich, die „Führertagungen“ etwa ein- bis zweimal jährlich statt. Kurz vermerkt wurden lediglich neue Erlässe und Vorschriften, die Beitragsfestsetzung, Übungstermine, Stärkemeldungen und die Einführung einer Leistungsbewertung.

Es wurde nicht mehr beraten, abgestimmt und gewählt, es wurde bekanntgegeben und erlassen.

Ab 1937 wurden die Feuerwehren durch Erlass der Reichsregierung der Polizei unterstellt, waren also weisungsgebunden an den „Reichsführer SS u. Chef der Deutschen Polizei“, Heinrich Himmler.

In den Wehren musste weisungsgemäß politische Schulung betrieben werden; den Kameraden wurde nahegelegt, an Parteiversammlungen teilzunehmen.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges fand am 28. November 1940 eine dringliche Führertagung statt, auf der durch Schreiben des Kreiswehrführers angeordnet wurde, sich im besonderen Maße dienstbereit zu halten und bis April 1941 ausnahmslos jeden Sonntag Übungen abzuhalten.

Die Amtswehr wurden aufgelöst und die politisch Gemeinde zum Träger der Feuerwehr bestimmt. Damit enden auch die Aufzeichnungen der Amtswehr Prasdorf. Lediglich ein „Brennstoff-Nachweisheft“ lässt den Schluss zu, dass von August 1942 bis September 1948 die „Löschgruppen“ ihre Kraftstoffbewirtschaftung zu dokumentieren hatten; wem diese Gruppen unterstanden ist unklar.

Mündlichen Berichten zufolge musste die Wehr während der Kriegsjahre häufig nach Luftangriffen die örtlichen Kräfte in Kiel bei der Bekämpfung der Großbrände unterstützen. Dazu wurden Tragkraftspritze, Material und Mannschaft mit dem privaten „Tempo“-Dreirad des Gerätewartes Wolff oder mit dem Opel „Blitz“ Bier-LKW von Suckow’s Gasthof in die Stadt gefahren, wo die Einsätze mitunter mehrere Tage dauern konnten!

Obschon rund die Hälfte der Kameraden durch Kriegsdienst fehlten, wurde durch eine dienstverpflichtete HJ-Feuerwehrgruppe mit Jungen zwischen 14 bis 17 Jahren die Mannschaftsstärke der Feuerwehr annähernd gehalten.

Während des Krieges fielen insgesamt 16 aktive Kameraden der Wehr, darunter auch der 1943 eingezogene Wehrführer Gerhard Göttsch.

Der Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr nach dem 2. Weltkrieg folgt bald…

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